Georgia: Willie James Pye hingerichtet – trotz mehrerer äußerst fragwürdiger Aspekte seines Falles

Mit vier Stunden Verspätung wegen letzter Eingaben beim Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten wurde am Mittwochabend der 59-jährige Willie James Pye durch den US-Bundesstaat Georgia mit einer tödlichen Injektion hingerichtet.

Er war zum Tod verurteilt für die gemeinsam mit zwei Komplizen begangene Entführung, Vergewaltigung und Ermordung seiner ehemaligen Freundin im Jahr 1993. Die drei hatten beschlossen, ihr Opfer auszurauben, das zu dieser Zeit mit einem anderen Mann zusammenlebte und ein neugeborenes Kind hatte, von dem Pye glaubte, das es seines sei.

Der Fall war gleich in mehrfacher Hinsicht skandalös. Willie Pyes Pflichtverteidiger im Prozess war Johnny B. Mostiler, der nach Aussage seiner aktuellen Anwälte inkompetent und rassistisch war.

Mostiler, der als einziger Pflichtverteidiger in Spalding County, Georgia, bis zu 900 Fälle im Jahr bearbeitete, starb im Jahr 2000 im Alter von 53 Jahren an einem Herzinfarkt. In einem Nachruf wurde er als „ruppig sprechender, kettenrauchender“ Anwalt beschrieben, der „alle 100 Minuten einen Fall übergab, weniger Zeit als ein privater Anwalt für einen einfachen Verkehrsverstoß aufwenden würde“.

Entsprechend spielte in der Verteidigung weder die von Gewalt geprägte Kindheit Pyes noch dessen geistige Beeinträchtigung mit einem IQ von 68 bis 70 eine Rolle. Stattdessen wird Mostiler offener Rassismus gegenüber seinen Klienten nachgesagt: „Kleiner Nigger, der den Tod verdiene“, soll er gegenüber einem Mandanten geäußert haben, und einer seiner Klienten wurde hingerichtet, obwohl Mostiler den Großteil des Prozesses verschlafen hatte.

Die Vollstreckung des Todesurteils von Willie Pye war die erste Hinrichtung in Georgia seit Januar 2020 und es werden zunächst keine weiteren Exekutionen erwartet, weil ein gerichtlicher Notstand zur Zeit der Corona-Krise dazu führte, dass das Bundesverteidigerprogramm und die Generalstaatsanwaltschaft im April 2021 vereinbarten, keine neuen Hinrichtungstermine zu beantragen, bis der gerichtliche Notstand aufgehoben, der normale Besuchsverkehr wieder aufgenommen und der Covid-Impfstoff „allen Mitgliedern der Öffentlichkeit“ zugänglich gemacht worden war.

Die Vereinbarung galt aber nur für Personen, deren Rechtsmittel während des gerichtlichen Ausnahmezustands erschöpft waren, worunter Willie Pye zu dem Zeitpunkt nicht fiel. Da der normale Besuchsverkehr bis heute nicht wieder aufgenommen wurde, versuchten Pyes Anwälte auf diesem argumentativen Weg einen Hinrichtungsaufschub beim Supreme Court der USA zu erreichen. Ohne Erfolg.

Quellen:
https://www.washingtonpost.com/nation/2024/03/21/willie-pye-georgia-execution-pentobarbital-lethal-injection/
https://theintercept.com/2024/03/20/georgia-willie-pye-execution/