Texas: Ramiro Gonzales hingerichtet – obwohl Experte seine Aussage widerrufen hatte
Am Mittwochabend wurde in Huntsville im US-Bundesstaat Texas der 41-jährige Ramiro Gonzales mit einer tödlichen Injektion, einer Überdosis Pentobarbital, hingerichtet.
Er war zum Tod verurteilt, weil er 2001, zwei Monate nach seinem 18. Geburtstag, eine gleichaltrige junge Frau vergewaltigt und ermordet hatte. Es handelte sich um die Freundin seines Drogendealers und Gonzales suchte deren Haus auf, um in Form eines Raubüberfalls an Drogen zu gelangen.
Seine Anwälte argumentierten vergeblich in den Berufungen, dass ihr Mandant nicht hingerichtet werden dürfe, weil er keine Gefahr für die Gesellschaft mehr darstelle – das ist in Texas eine wesentliche Bedingung, die für ein Todesurteil erfüllt sein muss: eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass von dem Täter auch zukünftig eine Gefahr ausgeht.
Das attestierte ihm ein Psychiater im ursprünglichen Prozess gegen Gonzales. Fünfzehn Jahre später revidierte der Fachmann sein Urteil und erklärte, er habe sich auf falsche Statistiken und inzwischen widerrufene Zeugenaussagen verlassen.
In der Tat hat Gonzales seit seiner Verurteilung zum Tod nie eine einzige Gewalttat begangen oder angedroht, sondern in außergewöhnlicher Weise aktiv zur Gemeinschaft im Gefängnis beigetragen. Sein Engagement für seinen christlichen Glauben, sein Dienst an anderen Menschen hinter Gittern und seine (erfolglosen) Versuche, einem Fremden in Not eine Niere zu spenden, sind dabei hervorzuheben.
Die Gefängnisbehörde stellte Gonzales‘ letzte Erklärung vor seiner Hinrichtung zur Verfügung, in der er sich wiederholt bei der Familie seines Opfers entschuldigte und sagte, dass er nie aufgehört habe, um ihre Vergebung zu beten:
„Ich kann den Schmerz, den ich euch zugefügt habe, nicht in Worte fassen. … Ich habe den Rest meines Lebens für euch gelebt, so gut ich konnte, um euch zu entschädigen, wiederherzustellen und Verantwortung zu übernehmen“, sagte Gonzales. „Ich habe nie aufgehört zu beten, dass ihr mir vergebt und dass ich eines Tages die Gelegenheit haben würde, euch um Verzeihung zu bitten.“
Die Mutter des Opfers allerdings sah der Hinrichtung von Ramiro Gonzales ihrer eigenen Aussage nach als einem freudigen Ereignis entgegen – es sei der Geburtstag ihrer Tochter – und erklärte, er verdiene keine Gnade.
Quellen:
https://edition.cnn.com/2024/06/26/us/texas-death-row-ramiro-gonzales/index.html
https://www.huffpost.com/entry/texas-executes-ramiro-gonzales_n_667c8402e4b07cb66c6cb69d