Hinrichtungen in Missouri und Texas – in einem Fall gegen den Willen der Staatsanwaltschaft
Annähernd zeitgleich wurden am Dienstag gleich in zwei Bundesstaaten der USA Todesurteile vollstreckt – in Missouri und in Texas.
Texas
Am Dienstagabend wurde in Huntsville im US-Bundesstaat Texas der 38-jährige Travis Mullis mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt, weil er 2008 seinen drei Monate alten Sohn auf grausame Weise getötet hatte.
Mullis verzichtete auf weitere Berufungsmöglichkeiten. Sein Anwalt erklärte, dass Texas einen „geläuterten Mann“ hinrichten werde, der die Verantwortung für die Begehung eines „schrecklichen Verbrechens“ übernommen habe.
„Ich möchte allen danken, die mich als den Menschen akzeptiert haben, der ich in meinen besten und schlechtesten Momenten geworden bin“, sagte Mullis, während er auf der Bahre im Hinrichtungsraum festgeschnallt war. „Ich bereue die Entscheidung, meinem Sohn das Leben zu nehmen.“ Er entschuldigte sich bei der Mutter seines Sohnes und ihrer Familie und sagte, er hege niemandem, der an der Bestrafung beteiligt war, etwas Böses. „Es war meine Entscheidung, die mich hierher gebracht hat“, sagte er.
Die Hinrichtung verzögerte sich um etwa 20 Minuten, während Techniker daran arbeiteten, eine geeignete Vene zu finden. Eine Nadel mit der tödlichen Dosis des Beruhigungsmittels Pentobarbital wurde in seinen rechten Arm eingeführt, wie es üblich ist. Eine zweite Nadel wurde nicht in seinen linken Arm, sondern in seinen linken Fuß eingeführt.
Mullis litt unter einer psychischen Erkrankung und war als Kind sexuell missbraucht worden. Der Oberste Gerichtshof der USA hat die Anwendung der Todesstrafe zwar für geistig Behinderte verboten, nicht jedoch für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen.
Missouri
Ebenfalls am Dienstagabend wurde im US-Bundesstaat Missouri der 55-jährige Marcellus Williams mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt, weil er 1998 bei einem Einbruch eine Sozialarbeiterin erstochen haben soll.
Es gab jedoch keine forensischen Beweise, die Williams mit der Mordwaffe oder dem Tatort in Verbindung brachten. Dementsprechend große Zweifel gab es an seiner Schuld und sowohl Staatsanwaltschaft, als auch die Familie des Opfers und ein Teil der Geschworenen sprachen sich mittlerweile gegen die Hinrichtung aus.
2017 stoppte der damalige republikanische Gouverneur Eric Greitens die Hinrichtung Williams‘ und setzte ein Gremium ein, das den Fall untersuchen sollte. Der aktuelle republikanische Gouverneur Mike Parson löste das Gremium auf und drängte auf Vollstreckung des Urteils.
Im Januar hatte Wesley Bell, der demokratische Staatsanwalt in St. Louis, der sich für Reformen im Strafrecht einsetzt, einen Antrag auf Aufhebung von Williams‘ Verurteilung eingereicht. Bell berief sich auf wiederholte DNA-Tests, die ergaben, dass Williams‘ Fingerabdrücke nicht auf dem Messer waren.
Im August einigten sich Williams und die Staatsanwaltschaft darauf, seine Hinrichtung auszusetzen: Er würde die Verurteilung wegen Mordes ersten Grades nicht anfechten, im Gegenzug für eine neue lebenslange Haftstrafe ohne Bewährung. Seine Anwälte sagten, die Vereinbarung sei kein Schuldeingeständnis und solle sein Leben retten, während er nach neuen Beweisen für seine Unschuld suche. Ein Richter stimmte der Vereinbarung zu, ebenso wie die Familie des Opfers, aber der Generalstaatsanwalt focht sie an und der Oberste Gerichtshof des Bundesstaates blockierte sie.
Die Pflichtverteidiger von Williams sagten, der Gouverneur habe die Familie des Opfers „völlig ignoriert“ und fügten in einer Erklärung hinzu, ihr Mandant sei als gläubiger Muslim eine Inspiration gewesen. „Wir streben nach seinem Maß an Glauben, nach seiner Integrität und nach seiner völligen Hingabe an die Menschen in seinem Leben.“ Williams war im Gefängnis als Imam tätig und widmete seine Zeit der Poesie.
Quellen:
https://www.krqe.com/news/national/ap-a-texas-man-is-set-to-be-executed-for-killing-his-infant-son-in-2008/
https://www.theguardian.com/us-news/2024/sep/24/missouri-executes-marcellus-williams