Hinrichtungen in Oklahoma und Alabama – gegen Gnadenempfehlung und mit Stickstoff
Erneut wurden in den USA gleich zwei Todesurteile an einem Tag vollstreckt – in Oklahoma mit der Giftspritze und in Alabama mittels Stickstoff.
Oklahoma
Am Donnerstagvormittag wurde im US-Bundesstaat Oklahoma der 52-jährige Emmanuel Littlejohn mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt, weil er zusammen mit einem Komplizen 1992 einen Raubüberfall auf einen Lebensmittelladen verübt hatte, den der Geschäftsinhaber mit dem Leben bezahlte.
Die Anhörung vor dem Gnadenausschuss endete mit 3 zu 2 Stimmen mit der Empfehlung für eine Umwandlung des Todesurteils in lebenslange Haft. Während Littlejohn seine Rolle in dem Raubüberfall nicht leugnet, sei er jedoch nicht der Schütze gewesen, der das Opfer erschoss, sondern sein Komplize, der nicht zum Tod verurteilt wurde. Ein Zeuge identifizierte den größeren der beiden Männer als den Schützen – Littlejohn ist der Kleinere.
Gouverneur Kevin Stitt jedoch ließ sich nicht von der Gnadenempfehlung beeindrucken und verfügte die Vollstreckung des Todesurteils. Wie Littlejohns geistlicher Beistand, Reverend Dr. Jeff Hood, nach der Hinrichtung feststellte, war Stitt grausam genug, mit seiner Entscheidung bis zur allerletzten Minute zu warten, anstatt den Häftling und dessen Angehörige vorab zu informieren, sodass sie sich seelisch darauf hätten vorbereiten können, statt bis zuletzt zu bangen und auf Gnade zu hoffen, um dann enttäuscht zu werden. Hood nannte das Verhalten des Gouverneurs „unglaublich grausam“.
Gouverneur Stitt über seine Entscheidung: „Die Geschworenen befanden ihn für schuldig und verurteilten ihn zum Tod. Als Gouverneur, der für Recht und Ordnung steht, fällt es mir schwer, diese Entscheidung einseitig aufzuheben.“ Stitt ist von fünf Fällen, in denen ihm eine Gnadenempfehlung vorlag, nur ein einziges Mal der Empfehlung des Gnadenausschusses gefolgt.
Auf einer Liege festgeschnallt und mit einem intravenösen Zugang im rechten Arm, blickte Littlejohn zu seiner Mutter und seiner Tochter, die Zeugen der Hinrichtung waren. Seine Mutter schluchzte leise und hielt sich während der tödlichen Injektion, die kurz nach 10 Uhr morgens (Ortszeit) begann, an einer Kreuzkette fest. Littlejohns Atmung wurde schwer, bevor ein Arzt um 10:07 Uhr feststellte, dass er bewusstlos sei. 10 Minuten später wurde er für tot erklärt.
Alabama
Am Donnerstagabend wurde im US-Bundesstaat Alabama der 59-jährige Alan Eugene Miller per Stickstoff-Hypoxie hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt, weil er im August 1999 drei Männer an ihrem jeweiligen Arbeitsplatz erschossen hatte. Seine derzeitigen und ehemaligen Kollegen hätten Gerüchte über ihn verbreitet, steht in den Gerichtsakten über sein Motiv zu lesen.
Zum zweiten Mal kam bei der Vollstreckung eines Todesurteils in den USA Stickstoff zum Einsatz. Über eine Gesichtsmaske wurde Miller 15 Minuten lang reiner Stickstoff zugeführt, sodass der Tod durch Ersticken aufgrund von Sauerstoffmangel erfolgte. Augenzeugen berichten, dass Miller in den ersten vier Minuten mehrfach den Kopf hob, gegen die Fesseln kämpfte, mit denen er auf der Hinrichtungsliege festgeschnallt war, und danach weitere sechs Minuten nach Luft rang.
Der Generalstaatsanwalt bezeichnete die Methode nach Millers Hinrichtung erneut als effektiv und human, war allerdings bei der Exekution nicht anwesend. Es war nicht der erste Versuch des Staates Alabama, Alan Miller hinzurichten: Vor zwei Jahren sollte er bereits durch eine tödliche Injektion exekutiert werden, überlebte jedoch, weil die Ausführenden 90 Minuten lang nicht in der Lage waren, die Infusionsnadeln zu legen.
Seine Verurteilung war hinsichtlich des Strafmaßes fragwürdig: Miller war psychisch krank, litt zur Tatzeit an einer wahnhaften Störung. Er hatte durch seinen Vater extremen physischen und psychischen Missbrauch erfahren. Millers Vater demütigte und beschimpfte ihn regelmäßig. Er schlug ihn heftig, was zu mehreren Gehirnerschütterungen und anderen Verletzungen führte, und stach mit einem Messer auf ihn ein. Laut Gerichtsakten fuchtelte Millers Vater auch oft mit einer Pistole herum und drohte, seine Familie zu töten.
Quellen:
https://apnews.com/article/oklahoma-execution-emmanuel-littlejohn-7b6822bb3ad19122a903f9e215797646
https://www.al.com/news/2024/09/alabama-inmate-alan-miller-set-to-be-executed-with-nitrogen-gas-thursday-for-1999-shootings.html