Louisiana: Jessie Hoffman hingerichtet – erste Exekution seit 2010 und erstes Mal mit Stickstoff

Am Dienstagabend wurde im US-Bundesstaat Louisiana der 46-jährige Jessie Hoffman hingerichtet. Es war die erste Vollstreckung eines Todesurteils in Louisiana seit 15 Jahren und die erste Hinrichtung mittels Stickstoff in diesem Staat.

Hoffman war zum Tod verurteilt, weil er als 18-Jähriger im November 1996 eine 28 Jahre alte Frau in seine Gewalt gebracht hatte, die er zunächst an einem Geldautomaten 200 Dollar abzuheben zwang, bevor er sie vergewaltigte und schließlich erschoss.

Nach Aussage seiner Anwältin bereue ihr Mandant, inzwischen ein gläubiger und praktizierender Buddhist, seine Tat aufrichtig.

Der Hinrichtung ging ein juristisches Tauziehen voraus: Zunächst hatte eine Richterin eine Woche zuvor einen Aufschub verfügt, der durch das zuständige Bundesberufungsgericht drei Tage später wieder aufgehoben wurde. Am Hinrichtungstag selbst gab es wieder einen Aufschub und dessen Aufhebung, bis schließlich der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten in einer knappen Entscheidung mit 5:4 Stimmen den Weg für die Vollstreckung freimachte.

Gegenstand der juristischen Kontroverse war die Frage nach der Hinrichtungsmethode, inwieweit sie eine durch die Verfassung verbotene grausame Bestrafung darstelle und Hoffmans Ausübung religiöser Praktiken widerspreche. Die Methode der Hinrichtung durch Stickstoff wurde bislang nur in Alabama praktiziert.

Augenzeugenberichten zufolge atmete Hoffman, auf einer Liege festgeschnallt und mit einer Maske über dem Kopf, 19 Minuten lang reinen Stickstoff ein, bis er durch den Sauerstoffmangel starb. Die Zeugen bestätigten, dass Hoffman „konvulsive Aktivitäten“ zeigte und dass er sich bewegte, zuckte und zitterte, die Hände zu Fäusten geballt.

Der Ehemann des Opfers bezeichnete die Hinrichtung als „bittersüße Nachricht“: „Es ist eine Erleichterung, dass dieser lange Albtraum endlich vorbei ist, aber gleichzeitig auch erneute Trauer um meine Frau sowie Traurigkeit für die Familie von Herrn Hoffman, deren Albtraum zur gleichen Zeit begann wie meiner und die ebenfalls fast 30 Jahre dieses qualvollen Prozesses durchmachen mussten, ohne selbst Schuld daran zu haben“, sagte er.

Kate Murphy, eine Schwägerin des Opfers, hatte sich öffentlich klar gegen die Todesstrafe ausgesprochen: „Die Hinrichtung von Jessie Hoffman ist keine Gerechtigkeit in meinem Namen, sondern das genaue Gegenteil.“ Murphy sagte, dass die Tötung von Hoffman ihr nur noch mehr Kummer und Trauma bereiten würde und dass sie wollte, dass der Staat sein Leben verschont und ihm stattdessen eine lebenslange Haftstrafe auferlegt. Im übrigen habe sie für ihren eigenen Heilungsprozess gewünscht, Jessie Hoffman begegnen zu können, doch Gefängnis und Begnadigungsausschuss hätten es verhindert.

Auch Hoffman hatte den Wunsch, die Opferfamilie zu treffen und seiner Reue Ausdruck geben zu können. Doch nicht einmal seine Entschuldigung in seinem Gnadengesuch habe jemals die Angehörigen der Opfer erreicht, wie die Medien berichten.

Quellen:
https://www.nola.com/news/courts/jessie-hoffman-nitrogen-gas-louisiana-execution-death-penalty/article_be325356-03bb-11f0-8525-a3855f3523b9.html
https://www.nola.com/news/courts/louisiana-death-penalty-jessie-hoffman-molly-elliott/article_b399b468-03ff-11f0-b144-1fbc9bdee0b7.html