USA: Zwei Hinrichtungen in Florida und Tennessee rahmen Welttag der Menschenrechte ein

Der 10. Dezember ist Internationaler Tag der Menschenrechte, weil die Vereinten Nationen am 10.12.1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet haben. In den USA wurde am Tag vor und am Tag nach dem Gedenktag jeweils ein Mann hingerichtet.

Florida: Mark Allen Geralds

Am Dienstagabend wurde im US-Bundesstaat Florida der 58-jährige Mark Allen Geralds mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt für die Ermordung einer 33-jährigen Mutter von zwei Kindern im Zuge eines Raubüberfalls in ihrem Zuhause. Der damals achtjährige Sohn fand seine Mutter erstochen auf, nachdem er aus der Schule kam.

Es war die 18. Hinrichtung in Florida in diesem Jahr, seit Gouverneur Ron DeSantis zwei Todesurteile pro Monat vollstrecken lässt. Geralds, der seit Jahrzehnten gegen seine Verurteilung bzw. sein Todesurteil gekämpft hatte, verzichtete in den letzten vier Wochen, nachdem DeSantis seinen Hinrichtungsbefehl unterzeichnet hatte, auf weitere juristische Schritte.

Die Organisation „Floridians for Alternatives to the Death Penalty“ (FADP) erklärt in einer Stellungnahme: „Monat für Monat sah Mark, wie seinen Nachbarn in der Zellenreihe mitgeteilt wurde, dass sie noch höchstens 30 Tage zu leben hätten. Er sah, wie sie von einem Team von Wärtern aus ihren Zellen geholt wurden. Er sah, wie sie zum Todeskampf im Florida State Prison geführt wurden, um nie wieder zurückzukehren. Vor diesem Hintergrund verlor Mark … den Willen zu kämpfen.

Nachdem er jahrzehntelang die Rechtmäßigkeit seiner Verurteilung und seines Urteils angefochten und Beweise aufgedeckt hatte, die der Staat vor seiner Jury verheimlicht und zurückgehalten hatte, verzichtete Mark ohne weitere DNA-Analyse auf seine verbleibenden Berufungsmöglichkeiten und bat um den Tod.“ Der Staat Florida habe Geralds Verzweiflung bereitwillig ausgenutzt, um ihn hinzurichten.

Weiterhin erklärt FADP: „Bei Mark wurde eine bipolare Störung diagnostiziert. Bei seiner Anhörung zum Verzicht auf einen Haftbefehl wurde sein psychischer Zustand jedoch kaum thematisiert. Es wurde keine aktualisierte psychologische Begutachtung angefordert oder durchgeführt. Seine staatlichen Strafverteidiger hatten an diesem Tag nur kurz mit ihm gesprochen … und hatten keine nennenswerte Gelegenheit, eine Beziehung zu ihm aufzubauen, seine medizinischen Unterlagen zu prüfen, Vertrauen aufzubauen oder seine Fähigkeit zu beurteilen, eine vernünftige Entscheidung zu treffen.“

Geralds Fall werfe noch tiefere ungelöste Fragen auf: „Die aus der Wohnung des Opfers gesammelten forensischen Beweise passten nicht zu Mark, darunter Blut, Fingerabdrücke und Haare, obwohl es in mehreren Räumen deutliche Anzeichen für einen Kampf gab und Hinweise darauf, dass der Verdächtige Haushaltsgegenstände angefasst hatte. Das Fahrzeug des Opfers wurde bewegt.

Ein blutiges Taschentuch, das in der Wohnung gefunden wurde, passte weder zur Blutgruppe des Opfers noch zu der von Mark. Es wurde keine weitere DNA-Analyse durchgeführt, um die unbekannten Personen zu identifizieren.“ Klar sei, dass Geralds Geschworene nie das ganze Bild gesehen und dass sich die Gerichte nie mit den fragwürdigen Fakten auseinandergesetzt hätten.

Tennessee: Harold Wayne Nichols

Am Donnerstagvormittag wurde der 64-jährige Harold Wayne Nichols durch den US-Bundesstaat Tennessee mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt, weil er 1988 eine 20-jährige Frau vergewaltigt und ermordet hatte. Darüber hinaus war er für 12 weitere Vergewaltigungen oder versuchte Vergewaltigungen innerhalb weniger Monate verantwortlich, wofür er eine Gefängnisstrafe von 200 Jahren erhielt.

Nach seiner Verhaftung diagnostizierte ein klinischer Psychologe bei Nichols eine intermittierende explosive Störung, die durch wiederholte, plötzliche Anfälle von impulsivem, aggressivem, gewalttätigem Verhalten oder wütenden verbalen Ausbrüchen gekennzeichnet ist und die größtenteils auf seine Kindheit zurückzuführen war.

Nichols Mutter starb an Krebs, als er 10 Jahre alt war, und sein Vater war laut Verfügung eines Bundesrichters ein „gemeiner, missbräuchlicher und geradezu abscheulicher Mann“. Nichols und seine Schwester litten laut Gerichtsakten unter wiederholter körperlicher Misshandlung durch ihren Vater. Die Kinder wurden schließlich in ein von ihrer Kirche betriebenes Waisenhaus gegeben und erlitten dort Misshandlungen durch ihre Pflegeeltern.

Nichols Anwälte erklärten, ihr Mandant sei durch jahrelange harte Arbeit an sich selbst und die Bewältigung seines eigenen Traumas und des Leids, das er anderen zugefügt hatte, entgegen aller Widrigkeiten zu einem vertrauenswürdigen, verantwortungsbewussten und mitfühlenden Menschen geworden, der von vielen hoch geschätzt und geliebt wurde. „Er verwandelte sich in den Mann, zu dem die Mutter des Opfers ihn vor 35 Jahren herausgefordert hatte.“

An dem Tag, an dem er zum Tod verurteilt wurde, hatte die Mutter des Opfers darum gebeten, mit Nichols allein sprechen zu dürfen – zwei weitere Besuche im Gefängnis folgten. Sie überreichte ihm eine Bibel mit einer Widmung, in der sie ihm Gebete für seine Erlösung schenkte. Sie sagte ihm: „Ich vergebe dir, weil ich diese Last nicht mit mir herumtragen möchte. Meine Tochter würde das nicht wollen.“ Sie habe ihm gesagt, er könne beweisen, dass er Vergebung verdiene, indem er sein Leben ändere.

Nichols‘ Anwälte sowie Gefängnispersonal und weitere Menschen, die mit Nichols in der Haft gearbeitet haben, bestätigen, dass er sich die Botschaft zu Herzen genommen habe. Dennoch kannten Tennessee und sein Gouverneur weder Gnade noch Barmherzigkeit. Auch die Tatsache, dass die Hälfte der Geschworenen heute nicht nochmals für das Todesurteil in Nichols Fall stimmen würde, fiel für die Entscheidungsträger nicht ins Gewicht.

Quellen:
https://eu.usatoday.com/story/news/nation/2025/12/09/mark-geralds-florida-execution-tressa-pettibone/87692268007/
https://www.fadp.org/statement-on-the-execution-of-mark-allen-geralds/
https://eu.tennessean.com/story/news/crime/2025/12/11/tennessee-harold-wayne-nichols-death-row-inmate-execution/87374907007/
https://eu.usatoday.com/story/news/nation/2025/12/11/tennessee-execution-harold-wayne-nichols/87709714007/