USA: Zwei Exekutionen am selben Tag – James Hitchcock in Florida und James Broadnax in Texas hingerichtet
In den Vereinigten Staaten wurden zwei Männer im Abstand von nur einer guten Stunde hingerichtet. In Texas traf es James Broadnax, kurz zuvor war es James Hitchcock in Florida. Beide Fälle sind strittig.
James Hitchcock
Am Donnerstagabend wurde der 70-jährige James Ernest („Erny“) Hitchcock durch den US-Bundesstaat Florida mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt, weil er im Juli 1976 die 13-jährige Stieftochter seines Bruders ermordet haben soll, und verbrachte fast 50 Jahre im Todestrakt.
Hitchcock beteuerte seine Unschuld – er habe zwar Sex mit dem Mädchen gehabt, aber sie nicht getötet. Als 20-Jähriger einvernehmlichen Sex mit einer 13-Jährigen zu haben, war eine Straftat, derer er sich schuldig gemacht hat – den Mord jedoch habe sein Bruder Richard begangen.
Erst rund 20 Jahre nach der Tat und kurz nach dessen Tod wagten sich verschiedene Familienangehörige an die Öffentlichkeit mit der Aussage, dass Richard Hitchcock ihnen gegenüber den Mord gestanden habe.
„Viele dieser Zeugen erklärten, sie hätten jahrelang geschwiegen, weil sie große Angst vor Richard hatten, der weniger als zwei Jahre vor Ernys vierter und letzter Verurteilung verstorben war. Erst nach seinem Tod fühlten sich diese zahlreichen Zeugen endlich sicher genug, um sich zu melden.“ So die Organisation „Floridians for Alternatives to the Death Penalty“ (FADP) in ihrem Statement. Diese Zeugenaussagen wurden allerdings vor Gericht nicht zugelassen, obwohl sie das Urteil entscheidend hätten ändern können.
FADP: „Die nicht berücksichtigten Zeugenaussagen waren konkret und überzeugend: Ein Zeuge sagte aus, Richard habe zugegeben, er habe das Mädchen in Florida ermordet und seinem Bruder Erny die Schuld dafür gegeben. Ein anderer Zeuge sagte aus, Richard habe ausdrücklich erklärt, Erny habe diesen Mord nicht begangen.“
Und weiter: „Mehrere Frauen schilderten Richards langjährige Gewalttätigkeit gegenüber Frauen und Mädchen – darunter sexueller Missbrauch, Würgeangriffe und Drohungen. Eine Zeugin sagte aus, Richard habe sie etwa zwanzig Mal gewürgt. Eine andere sagte, er habe ihr gedroht, dass ihr dasselbe passieren würde wie dem angeblich von seinem Bruder erwürgten Mädchen.“
Florida hat damit ein Todesurteil vollstreckt – fast 50 Jahre nach der Tat – in einem Fall, in dem es mindestens schwerwiegende Zweifel an der Schuld des Betroffenen gibt.
James Broadnax
Am Donnerstagabend wurde der 37-jährige James Broadnax in Huntsville im US-Bundesstaat Texas mit einer tödlichen Injektion, einer Überdosis Pentobarbital, hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt, weil er im Juni 2008 gemeinsam mit seinem Cousin namens Damarius Cummings zwei Musikproduzenten auf dem Parkplatz vor deren Studio ausgeraubt und getötet haben soll.
Der Fall hat sich in den letzten Wochen vor der Hinrichtung als brisant erwiesen, weil Cummings, der eine lebenslange Haftstrafe verbüßt, kürzlich erklärte, er habe die beiden 26 und 28 Jahre alten Opfer erschossen, nicht Broadnax. Weder die Gerichte noch der Gnadenausschuss oder der Gouverneur ließen sich davon beeindrucken – Broadnax hatte schließlich nach der Tat gestanden, sodass Damarius Cummings als Komplize und nicht als Hauptverantwortlicher verurteilt wurde.
Wie Cummings jetzt erklärte, habe er Broadnax dazu gedrängt, die Schuld auf sich zu nehmen, weil er selbst ohne Vorstrafen war. Und Broadnax, zum damaligen Zeitpunkt von halluzinogenen Drogen abhängig sowie suizidal einen Ausweg aus seinem Leben suchend, tat das, worum Cummings ihn bat.
Die Anwälte von Broadnax führten in ihren Schriftsätzen vor dem Obersten Gerichtshof an, dass Cummings’ Geständnis durch die Tatsache untermauert werde, dass seine DNA – und nicht die von Broadnax – an der Tatwaffe und in der Tasche eines der Opfer gefunden worden sei.
Weitere Argumente der Verteidigung bezogen sich darauf, dass potentielle schwarze Geschworene systematisch durch die Staatsanwaltschaft ausgeschlossen wurden.
In der Strafzumessungsphase des Prozesses zitierte der Staatsanwalt Rap-Lyrics aus Broadnax‘ Notizbuch, um das Todesurteil durchzusetzen. Die Staatsanwaltschaft wählte Songtexte aus, die angeblich auf Bandenzugehörigkeit und Schießereien anspielen, um die Geschworenen davon zu überzeugen, dass er statt lebenslanger Haft die Todesstrafe erhalten sollte, so seine Anwälte.
In seinen letzten Worten beteuerte Broadnax ein letztes Mal, dass er nicht der Schütze gewesen sei bei dem Doppelmord, und bat die Familien der Opfer zugleich um Vergebung für seinen Anteil an der Tat.
Quellen:
https://www.tampabay.com/news/crime/2026/04/30/james-ernest-hitchcock-execution-florida-death-row-cynthia-driggers/
https://www.fadp.org/statement-on-the-execution-of-james-erny-hitchcock/
https://www.texastribune.org/2026/04/30/texas-james-broadnax-execution/
https://www.dallasnews.com/news/article/james-broadnax-texas-execution-live-updates-22232220.php
https://edition.cnn.com/2026/04/30/us/james-broadnax-execution-texas-fatal-robbery
https://www.youtube.com/watch?v=2S0ocdkw9OM