Alabama: Stickstoff-Hinrichtung von Jeffery Lee im letzten Moment per Gericht verhindert
Der 49-jährige Jeffery James Lee sollte am Donnerstag im US-Bundesstaat Alabama per Stickstoff-Hypoxie hingerichtet werden. Mehrere Gerichte schoben der Hinrichtungsmethode im Fall Lee im letzten Moment einen Riegel vor, und zwar aufgrund des Risikos einer „grausamen und ungewöhnlichen Bestrafung“, die verfassungsgemäß verboten ist.
Rund drei Stunden nach dem geplanten Hinrichtungstermin lehnte der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten am späten Donnerstag den Antrag Alabamas ab, einen Mann mittels Stickstoffgas hinzurichten, nachdem zwei Urteile untergeordneter Gerichte diese Methode bereits in den vergangenen Tagen untersagt hatten.
Der Bundesstaat hatte nur wenige Stunden vor der geplanten Hinrichtung einen Eilantrag gestellt, um die Verbote der Hinrichtungsmethode der untergeordneten Gerichte durch den US Supreme Court aufheben zu lassen. Doch dieser bestätigte mit 6 zu 3 Stimmen das Verbot von District und Circuit Court.
Lee, der wegen des Mordes an zwei Menschen bei einem Raubüberfall auf ein Pfandhaus im Jahr 1998 verurteilt wurde, bleibt damit die Hinrichtung durch Stickstoff erspart, doch der Staat kann weiterhin andere Methoden anwenden, und es ist unklar, wie schnell er eine Entscheidung für eine tragfähige Alternative fällen und einen neuen Hinrichtungstermin für Jeffery Lee ansetzen wird.
In Alabama sind drei Methoden für die Vollstreckung von Todesurteilen vorgesehen: tödliche Injektion, elektrischer Stuhl oder Stickstoff, unter denen der Betroffene zu wählen hat. Lee hatte sich vor Jahren für Stickstoff entschieden, eine zur damaligen Zeit noch völlig unerprobte Methode.
Inzwischen wurde sie seit Januar 2024 siebenmal in Alabama und einmal in Louisiana angewandt und aufgrund von Augenzeugenberichten ist offensichtlich, dass die Delinquenten über einen längeren Zeitraum bei Bewusstsein folterähnlich ersticken. Dass die Methode „schnell zum Tod führe“ und der Vorgang „human, schmerzfrei, wirksam und zuverlässig“ sei, wie deren Befürworter behaupten, davon könne keinesfalls die Rede sein.
Im vergangenen Jahr legte Lee daher Rechtsmittel gegen das Stickstoffprotokoll ein und beantragte stattdessen die Hinrichtung durch ein Erschießungskommando, eine in Alabama nicht zulässige Methode.
Lees Anwaltsteam hat zudem Gouverneurin Ivey gebeten, sein Urteil umzuwandeln, unter anderem weil ein Richter Lee im Jahr 2000 zum Tod verurteilte, obwohl eine Mehrheit von 7 zu 5 der Geschworenen stattdessen für lebenslange Haft ohne Bewährung gestimmt hatte. Diese als „judicial override“ bekannte Praxis, nach der ein Richter das Urteil der Geschworenen überstimmen konnte, wurde 2017 in Alabama verboten, doch frühere Fälle wie der von Lee fielen nicht darunter.