Florida: Dusty Ray Spencer hingerichtet – nur sieben Geschworene stimmten für Todesurteil

Am Donnerstagabend wurde im US-Bundesstaat Florida der 74-jährige Dusty Ray Spencer mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt, weil er im Januar 1992 seine Ehefrau erstochen hatte. Der Tat vorausgegangen waren in den Wochen zuvor diverse Zwischenfälle, gekennzeichnet von Gewalt und Drohungen.

In seinen letzten Worten erklärte Spencer: „Es tut mir leid, es tut mir leid für die Familie. In deine Hände befehle ich meinen Geist und meine Seele. Ich bin auf dem Weg, Herr. Ich bin auf dem Weg. Amen.“

Die Organisation „Floridians for Alternatives to the Death Penalty“ (FADP) weist in ihrer Stellungnahme darauf hin, dass sich mit der nicht zu verharmlosenden tragischen Tat Spencers einmal mehr der Kreislauf von Gewalt fortsetzte, was sie nicht entschuldige, aber erkläre: „Als Kind wurde Dusty von seinem Vater – genau der Person, die ihn eigentlich hätte beschützen sollen – sexuell missbraucht, regelmäßig gedemütigt und terrorisiert.“

Als junger Teenager habe er sich daher in Alkohol- und Drogenmissbrauch geflüchtet, um damit fertig zu werden. „Tragischerweise wurde Dusty nie beigebracht, wie ein liebevoller, stabiler und beschützender Partner und Vater sein sollte. Infolgedessen wiederholte er das, was er selbst erlebt hatte, und setzte den Kreislauf der Gewalt gegenüber seiner Frau Karen und Karens Sohn Tim fort.“

FADP betont, Spencer habe sich in den über drei Jahrzehnten im Todestrakt positiv entwickelt: „Wie viele andere, die jahrzehntelang im Gefängnis saßen, hatte sich Dusty grundlegend verändert. Nachdem sein Körper und sein Geist endlich von Alkohol und Drogen befreit waren, wandte er sich der Freundschaft und dem Glauben mit den Menschen um ihn herum zu.“

In den Augen der Gegner der Todesstrafe ist Dusty Ray Spencers Fall nicht nur aufgrund seines hohen Alters brisant – er ist der älteste Todestraktinsasse, der in den vergangenen 100 Jahren in Florida hingerichtet wurde.

Hinzu kommt, dass das Todesurteil mit nur sieben Stimmen der zwölfköpfingen Jury gefällt wurde. Fünf Geschworene stimmten für eine lebenslange Haftstrafe ohne Möglichkeit der Bewährung. Nach heutigen gesetzlichen Vorschriften kann landesweit niemand unter diesen Umständen zum Tod verurteilt werden, weil häufig ein einstimmiges Votum erforderlich ist. Selbst in Florida sind wenigstens acht Stimmen nötig – nach aktuellen Maßstäben käme für Spencer heute demzufolge kein Todesurteil in Frage.

Quellen:
https://apnews.com/article/florida-execution-dusty-ray-spencer-25bf0b98ffc4a25ebcaf1d2a408c6e82
https://www.fadp.org/statement-on-the-execution-of-dusty-ray-spencer/