Neunter Weltkongress gegen die Todesstrafe, diesmal in Paris – wir waren vor Ort dabei!
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In Paris ging am Donnerstagabend der 9. Weltkongress gegen die Todesstrafe zu Ende. Über 1300 Teilnehmer aus rund 100 Ländern kamen zusammen, um drei Tage lang in diversen Debatten die weltweite Situation der Todesstrafe und Möglichkeiten der Abschaffung zu reflektieren.
Politische Repräsentanten, Regierungsvertreter, Diplomaten und Delegierte unterschiedlichster Nationen waren ebenso anwesend wie Akademiker, Juristen, Anti-Todesstrafe-Aktivisten von zahlreichen Menschenrechtsorganisationen, ehemalige Todestraktinsassen, Angehörige von Tätern und Opfern usw. Ergänzend gab es ein kulturelles Programm, u.a. mit verschiedenen Ausstellungen.
Ausgerichtet wurde der Kongress wie in den Jahren zuvor von der französischen Gruppe Ensemble Contre la Peine de Mort (ECPM), in Zusammenarbeit mit der World Coalition Against the Death Penalty (WCADP). Letztere ist eine Dachorganisation, die über 200 Anti-Todesstrafe-Gruppen weltweit vernetzt und nach dem ersten Weltkongress vor 24 Jahren ins Leben gerufen wurde.

Besonders die Eröffnungs- sowie die Abschlussveranstaltung waren gekennzeichnet durch die Teilnahme hochrangiger Vertreter der internationalen politischen Bühnen, die sich für die Abschaffung der Todesstrafe aussprachen.
Obwohl diese ultimative Strafform mit Ausnahme von Weißrussland in Europa komplett abgeschafft ist, waren u.a. von Gastgeberland Frankreich dessen Außenminister sowie Vertreter der Europäischen Union, des Europarates und der Vereinten Nationen, aber z.B. auch aus dem Libanon und von Marokko deren Justizminister anwesend, um den weltweiten Kampf gegen die Todesstrafe zu unterstützen.
Dass selbst dem Präsidenten Frankreichs das Thema ein Anliegen ist, machte Emmanuel Macron in einer eindrücklichen 20-minütigen Rede deutlich, nach der er noch einmal so viel Zeit investierte, um etliche prominente Gäste in der nicht enden wollenden ersten Reihe des großen Saals zu begrüßen und mit allen ein paar Worte zu wechseln.

Die deutsche Organisation Initiative gegen die Todesstrafe e.V. (German Coalition to Abolish the Death Penalty) nahm mit mehreren Mitgliedern am Kongress teil und knüpfte neue oder vertiefte bereits bestehende Kontakte.
Besonderes Projekt des Vereins war diesmal eine Postkarten-Aktion: Kongressteilnehmer hatten die Gelegenheit, Karten zu unterschreiben, die an Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom gesendet werden, um ihn dazu zu bewegen, vor Ende seiner Amtszeit alle Todesurteile seines US-Bundesstaates in lebenslange Haftstrafen umzuwandeln. Nach Einschätzung des Vereins stehen Chancen nicht schlecht und die Initiative gegen die Todesstrafe e.V. hat bereits 2024 mit einer ähnlichen Aktion im Hinblick auf Joe Biden und die Todesstrafe auf US-Bundesebene Anteil am Erfolg gehabt.
Darüber hinaus hat der Verein eine der diversen Ausstellungen mit vielen eindrucksvollen Kunstwerken von Todestraktinsassen an den Veranstalter vermittelt. Ausgestellt wurde auch eine Auswahl von 50 durch Jugendliche aus 17 Ländern im Rahmen eines internationalen Kunstwettbewerbs erstellten Postern zum Thema „Abschaffung der Todesstrafe“ – fast 500 Werke waren eingereicht worden, darunter 138 aus Deutschland und Österreich, die durch die Initiative gegen die Todesstrafe e.V. vermittelt wurden.

In der Abschlussveranstaltung des Kongresses wurden Personen oder Organisationen, die sich um die Abschaffung der Todesstrafe in besonderer Weise verdient gemacht haben, mit Preisen geehrt. Aber auch der seit dem letzten Kongress Verstorbenen innerhalb des Abolition-Movements wurde gedacht, darunter Papst Franziskus und Frankreichs ehemaliger Justizminister Robert Badinter.
Viele haben ihre Spuren hinterlassen und sind unvergessen und haben ihren Teil dazu beigetragen, dass die Todesstrafe über die letzten Jahrzehnte weltweit immer mehr auf dem Rückzug ist. Auch wenn die sowohl weltweit als auch in den USA gestiegenen Hinrichtungszahlen des vergangenen Jahres etwas anderes vermuten lassen – das geht global fast ausschließlich auf den Iran und in USA auf Florida zurück.
Die Bekanntgabe, dass der Tschad, Kambodscha, die Zentralafrikanische Republik und Sierra Leone den UN-Vertrag zum Verbot der Todesstrafe ratifiziert haben – die letzte Sicherheitsvorkehrung, die eine mögliche Kehrtwende verhindert, die zur Wiedereinführung der Todesstrafe in diesen Ländern führen könnte – und dass der libanesische Justizminister die Entschlossenheit seiner Regierung zur Abschaffung der Todesstrafe erklärte, zeigen den weltweit ungebrochenen Trend der Rückläufigkeit dieser ultimativen Strafform. Auch Marokko will sich dem Trend weiter anschließen und lädt den kommenden Weltkongress gegen die Todesstrafe für 2029 nach Marrakesch ein.

Gabi Uhl
Initiative gegen die Todesstrafe e.V.
Weitere Informationen:
https://www.ecpm.org/en/2026/07/02/in-paris-the-9th-world-congress-against-the-death-penalty-marks-further-progress-towards-abolition/
Text und Fotos: © Initiative gegen die Todesstrafe e.V.