Florida: James Duckett und Dominick Occhicone hingerichtet – im Abstand von kaum sechs Stunden

Florida hat zum ersten Mal seit den 60er Jahren eine Doppelhinrichtung vollzogen und zwei Todesurteile an einem Tag vollstreckt. Beide Fälle sind problematisch – Ducketts Schuld konnte nicht einwandfrei belegt werden und Occhicone erhielt nach heutigem Standard nicht die erforderliche Menge an Stimmen der Geschworenen für ein Todesurteil.

James Duckett

Mit etwa einer Stunde Verspätung wegen anhängiger Last-Minute-Appeals beim Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten wurde am Dienstagmittag im US-Bundesstaat Florida der 68-jährige James Aren Duckett mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Der ehemalige Policeofficer war zum Tod verurteilt, weil er am 11. Mai 1987 ein elfjähriges Mädchen entführt, sexuell missbraucht und getötet haben soll.

Duckett beteuerte seit fast 40 Jahren seine Unschuld. Für ihn war bereits für den 31. März diesen Jahres ein Hinrichtungstermin festgesetzt, der wenige Tage zuvor aufgeschoben wurde, um einen DNA-Test für Duckett zu ermöglichen.

Nachdem der Test nicht aussagekräftig war und ihn weder be- noch entlastete, wurde von Gouverneur Ron DeSantis ein neuer Termin festgelegt – als eine von zwei Hinrichtungen im Abstand von sechs Stunden am heutigen Dienstag. Es ist die erste Doppelhinrichtung in Florida seit 1964. James Duckett verzichtete auf letzte Worte vor seiner Exekution.

In ihrem Statement kritisiert die Organisation „Floridians for Alternatives to the Death Penalty“ (FADP) das DNA-Testverfahren: „Der Staat entschied sich für ein Untersuchungsverfahren, bei dem das wichtigste biologische Beweisstück in seinem Fall verbraucht und für immer zerstört wurde, und weigerte sich anschließend, die verbleibenden Sachbeweise zu untersuchen, die möglicherweise endlich Klarheit über seine Schuld oder Unschuld hätten schaffen können.

Diese Antwort liegt nun außerhalb unserer Reichweite. Florida muss für immer mit der Möglichkeit leben, dass Jim Duckett nicht nur die 136. Person war, die in der jüngeren Geschichte des Bundesstaates hingerichtet wurde, sondern ein Mann, der zu der rekordverdächtigen Zahl von Menschen hätte gehören sollen, die aus Floridas Todeszelle freigesprochen wurden, weil sie für Verbrechen verurteilt waren, die sie nicht begangen hatten.“

Außerdem erklärt FADP: „Die einzige Augenzeugin, die behauptete, gesehen zu haben, wie das Opfer in Jims Streifenwagen stieg, war eine schwangere Teenagerin, die von der Polizei genötigt, bestochen und bedroht worden war, an dieser Aussage festzuhalten. Umgekehrt gab es zwei weitere Zeugen, die schworen, gesehen zu haben, wie er ohne die 11-Jährige im Auto davonfuhr, doch sein eigener Anwalt stellte keinen der beiden Zeugen der Jury vor.“

Dominick Occhicone

Am Dienstagabend wurde im US-Bundesstaat Florida der 80-jährige Dominick Anthony Occhicone mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt, weil er 1986 – vor 40 Jahren – die Eltern seiner Ex-Freundin getötet hatte.

Auf die Frage, ob er eine letzte Erklärung abgeben wolle, sagte Occhicone, er danke all seinen christlichen Brüdern dafür, dass sie ihn im Laufe der Jahre besucht hätten. Außerdem entschuldigte er sich bei seiner eigenen Familie für das, was er ihnen zugemutet habe, sowie bei den Familien der Opfer. „Ich weiß, dass das nicht viel bedeutet, aber es tut mir leid“, sagte er. „Ich hatte nie vor, das zu tun, was ich getan habe.“

Occhicones Fall ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Er ist der älteste Todestraktinsasse, der in Florida seit Wiederaufnahme der Hinrichtungen in den 70er Jahren hingerichtet wurde. Sein Todesurteil wurde mit nur 7 zu 5 Stimmen der Geschworenen gefällt – eine Regel, die in den gesamten USA nicht oder nicht mehr gilt. Selbst in Florida sind heute mindestens 8 Stimmen für ein Todesurteil nötig.

Die Organisation „Floridians for Alternatives to the Death Penalty“ (FADP) erklärt in ihrem Statement, Alkoholismus habe in Occhicones Fall eine wesentliche Rolle gespielt. „Alkoholismus entschuldigt keine Gewalt. Er hebt die Verantwortung nicht auf. Aber wir können auch nicht so tun, als sei er irrelevant. Es ist eine verheerende Krankheit, deren Auswirkungen weit über die betroffene Person hinausreichen, die das Urteilsvermögen verzerrt, Familien belastet und über Generationen hinweg Kollateralschäden hinterlässt.“

Und weiter: „In den Jahren nach seiner Verurteilung, in denen er in erzwungener Abstinenz lebte und sich mit dem Leid auseinandersetzen musste, das er verursacht hatte, wurde Dominick Occhicone ein alter Mann. … Er war nicht mehr der Mann, der in den 1980er Jahren ins Gefängnis kam. Er war ein 80-jähriger Großvater, körperlich geschwächt, der nur noch mühsam gehen konnte und sich aus den alltäglichen Routinen und Beziehungen Kraft schöpfte, die ein menschliches Leben ausmachen – selbst hinter Gefängnismauern.“

Schließlich bemerkt FADP noch: „Jede Schilderung seines Lebens wäre unvollständig, ohne auf die tiefe Kraft und den Trost einzugehen, die er in seinem katholischen Glauben fand – und bei den ehrenamtlichen Seelsorgern, die ihn regelmäßig in der Todeszelle besuchten. Er betete jeden einzelnen Tag seiner Haft den Rosenkranz und sprach nicht davon, wie sehr er den Tod fürchtete, sondern davon, wie sehr er sich darüber freute, zu wissen, was als Nächstes kommen würde.“

Quellen:
https://eu.usatoday.com/story/news/nation/2026/07/28/double-execution-florida-james-duckett-dominick-occhicone/91072108007/
https://www.fadp.org/statement-on-the-execution-of-james-duckett/
https://www.tampafp.com/florida-executes-80-year-old-dominick-occhicone-completing-historic-same-day-double-execution/
https://www.fadp.org/statement-on-the-execution-of-dominick-occhicone/