Florida: Harold Gene Lucas hingerichtet – nach einem halben Jahrhundert im Todestrakt
Am Dienstagabend wurde der 74-jährige Harold Gene Lucas durch den US-Bundesstaat Florida mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt, weil er 1976 eine 16-jährige junge Frau getötet und zwei ihrer Freunde verletzt hatte. Lucas war mit dem Mädchen ausgegangen und wünschte sich eine romantische Beziehung mit ihr, doch sie wies ihn zurück, woraufhin er sie bedrohte.
In der Tatnacht waren massiv Alkohol und Drogen im Spiel, sodass niemand der Beteiligten exakt rekonstruieren konnte, was zu der Eskalation geführt hatte. Generell war der Drogenkonsum von Harold Gene Lucas maßgebliche Ursache für dessen gewalttätiges Verhalten. Die Organisation „Floridians for Alternatives to the Death Penalty“ (FADP) erklärt in ihrem Statement:
„Sein Vater kämpfte mit Alkoholismus, gab das knappe Geld der Familie für seine Sucht aus und schlug regelmäßig seine Frau und seine Kinder. Als junger Teenager begann Gene, das zu tun, was er bei den Erwachsenen um sich herum beobachtet hatte: den Schmerz mit Drogen zu betäuben. Er experimentierte mit Heroin, Tierberuhigungsmitteln und PCP. Zum Zeitpunkt der Tat hatte der schwere Drogenmissbrauch einen Großteil seines jungen Lebens zerstört.“
FADP weiter: „Er zeigte tiefe Reue, unter anderem durch seine Aussage während des gegen ihn geführten Verfahrens. Seine Reue war keine vorgetäuschte Reaktion auf den nahenden Hinrichtungstermin. Der urteilende Richter stufte sie als aufrichtig und als mildernden Umstand ein. Psychologische Sachverständige kamen zu dem Schluss, dass die Straftat ohne Genes schweren Drogenmissbrauch, insbesondere seinen PCP-Konsum, nicht begangen worden wäre.“
Experten erklärten weiterhin, Harold Gene Lucas habe nicht etwa deshalb ein halbes Jahrhundert im Todestrakt verbracht, weil er über die Zeit dauernd in seinen Berufungen gekämpft habe. Vielmehr war es der Staat Florida selbst, der Lucas fünfmal zum Tod verurteilte, nachdem er viermal in der verpflichtenden ersten Berufung („Direct Appeal“) wegen Verfahrensfehlern scheiterte.
Nachdem sein Hinrichtungsbefehl von Floridas Gouverneur unterzeichnet wurde, verzichtete Lucas auf weitere juristische Schritte. Er sei erschöpft: „Ich sitze seit 50 Jahren in der Todeszelle, und ich habe keinerlei Lust, das noch länger zu ertragen. Je schneller es vorbei ist, desto besser. Ich bin müde.“
FADP zu seiner Entwicklung in den Jahrzehnten im Todestrakt: „Der Schulabgänger der siebten Klasse widmete sich dem Lernen und wollte die Chancen nachholen, die er als Kind nie gehabt hatte. Er wuchs spirituell. Er wurde zum Mentor und Freund. Wenn Neuankömmlinge in die Todeszelle kamen, rief er manchmal deren verängstigte Mütter an, um mit ihnen zu beten und ihnen zu versprechen, dass er sich an dem Ort, an den sie nicht gehen konnten, um ihre Söhne kümmern würde.“
Quellen:
https://www.theguardian.com/us-news/2026/sep/01/florida-14-executions
https://www.fadp.org/statement-on-the-execution-of-harold-gene-lucas/