Stories for Life in SONGS – Geschichten für das Leben in LIEDERN – Storytelling durch Musik

Zum Welttag gegen die Todesstrafe am 10. Oktober 2026

Das Thema des Welttags gegen die Todesstrafe 2026 und 2027 ist „Stories for Life“ oder „Geschichten für das Leben“. Das Hauptziel ist es, die Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren, dass die Todesstrafe Menschen und ganze Gemeinschaften betrifft, deren Stimmen gehört werden sollten. Dazu dient die Verbreitung der Geschichten von zum Tode Verurteilten, Angehörigen der Opfer, Strafverfolgungsbeamten und anderen von der Todesstrafe betroffenen Personen.

Auch Musik, Songs bzw. Lieder, sind ein wirksamer und geeigneter Weg, Geschichten zu erzählen, um den von der Todesstrafe in verschiedener Weise Betroffenen ein Gesicht zu geben. Zwei Mitglieder der Initiative gegen die Todesstrafe e.V. befassen sich mit Songwriting und haben bereits Lieder über Menschen erstellt, die mit der Todesstrafe konfrontiert waren oder sind. Hier stellen wir einige der Lieder und Personen vor – durch Klicken auf die Überschrift oder das jeweilige Bild kommen Sie zum Song auf YouTube!

„Seek Justice, Practice Mercy!“ (Gabi Uhl)

Die katholische Ordensschwester Sister Helen Prejean gehört zu den bekanntesten Gegnerinnen der Todesstrafe in den USA. Ihr Engagement begann in den 1980er-Jahren mit der Begleitung von zum Tode verurteilten Gefangenen in Louisiana. Sie erlebte Hinrichtungen als geistliche Begleiterin und machte ihre Erfahrungen später in ihrem Buch „Dead Man Walking“ öffentlich. Das Buch wurde international bekannt und zur Grundlage für Film, Theaterstück und Oper. Seit Jahrzehnten begleitet Sister Helen Gefangene und Angehörige von Mordopfern, hält Vorträge und hat den Standpunkt der katholischen Kirche zur Todesstrafe maßgeblich .beeinflusst.

Free Anthony Boyd: A Song for Justice! (Kima Perg)

Anthony Boyd verbrachte mehr als drei Jahrzehnte im Todestrakt von Alabama. Er war wegen seiner Beteiligung an der Ermordung von Gregory Huguley im Jahr 1993 zum Tode verurteilt worden. Bis zuletzt wurde um seine Hinrichtung gestritten; Boyd bestritt, an der Tötung selbst beteiligt gewesen zu sein. Am 23. Oktober 2025 vollstreckte Alabama das Todesurteil mit Stickstoffhypoxie, einer erst seit 2024 in den USA angewandten Methode. Boyd zeigte über mehr als 15 Minuten Bewegung und angestrengte Atmung. Sein Fall wurde damit auch Teil der internationalen Auseinandersetzung um diese neue Form der Hinrichtung.

Reyhaneh (Gabi Uhl)

Die Iranerin Reyhaneh Jabbari wurde 2007 im Alter von 19 Jahren festgenommen, nachdem sie einen Mann tödlich verletzt hatte. Sie erklärte, er habe versucht, sie zu vergewaltigen, und sie habe in Notwehr gehandelt. Ihr Verfahren war von erheblichen Zweifeln an der Fairness des Prozesses begleitet; unter anderem gab es Berichte über unter Zwang zustande gekommene Aussagen. Reyhaneh Jabbari wurde zum Tode verurteilt und trotz internationaler Proteste am 25. Oktober 2014 im Alter von 26 Jahren gehängt. Ihr Fall wurde weltweit zu einem Symbol für den Kampf gegen die Todesstrafe im Iran. Ihre Geschichte erzählen der Film „Sieben Winter in Teheran“ von Steffi Niederzoll und das Buch „Wie man ein Schmetterling wird“ von ihrer Mutter Shole Pakravan.

Love and Compassion (Gabi Uhl)

Bill Pelkes Großmutter Ruth wurde 1985 von vier jugendlichen Mädchen ermordet. Die damals 15-jährige Paula Cooper erhielt dafür die Todesstrafe, und zunächst unterstützte auch Pelke dieses Urteil. Später änderte er seine Haltung grundlegend, vergab Cooper und setzte sich dafür ein, dass ihr Todesurteil aufgehoben wurde. Daraus entwickelte sich ein jahrzehntelanges Engagement gegen die Todesstrafe. Pelke wurde Mitbegründer und Präsident von Journey of Hope … From Violence to Healing, einer Bewegung, in der Angehörige von Mordopfern für Alternativen zur Todesstrafe eintreten. Er starb 2020 im Alter von 73 Jahren.

Sonny B. (Kima Perg)

Charles „Sonny“ Burton wurde in Alabama wegen seiner Beteiligung an einem Raubüberfall von 1991 zum Tode verurteilt. Unstrittig ist, dass Burton den dabei getöteten Doug Battle nicht erschoss und das Geschäft bereits verlassen hatte, als ein Mittäter den tödlichen Schuss abgab. Dennoch verbrachte Burton mehr als drei Jahrzehnte im Todestrakt. Seine für den 12. März 2026 geplante Hinrichtung löste eine breite Gnadenkampagne aus. Zwei Tage vorher wandelte Gouverneurin Kay Ivey das Todesurteil in lebenslange Haft ohne Bewährung um – unter ausdrücklichem Hinweis darauf, dass der tatsächliche Schütze nicht hingerichtet worden war.

A Survivor’s Voice (Gabi Uhl)

SueZann Bosler überlebte 1986 einen Angriff, bei dem ihr Vater, der Pfarrer Billy Bosler, ermordet wurde. Sie selbst wurde mit mehreren Messerstichen schwer verletzt und für tot gehalten. Dennoch kämpfte sie anschließend gegen die Hinrichtung des Täters James Bernard Campbell. Ihr Vater war Gegner der Todesstrafe gewesen und erklärt, dass er auch im Falle seiner eigenen Ermordung keine Hinrichtung des Täters wünsche. Mehr als zehn Jahre setzte SueZann sich dafür ein, Campbells Leben zu retten – schließlich mit Erfolg: Seine Todesstrafe wurde aufgehoben und durch lebenslange Haft ersetzt. SueZann Bosler engagiert sie sich weiterhin öffentlich gegen die Todesstrafe.

Tony Egbuna Ford – A Voice for Innocence (Kima Perg)

Tony Ford sitzt seit mehr als drei Jahrzehnten im Todestrakt von Texas. Er wurde 1993 wegen eines Überfalls in El Paso zum Tode verurteilt, bei dem der 18-jährige Armando Murillo erschossen wurde. Ford bestreitet bis heute, das Haus betreten oder auf die Familie geschossen zu haben; er habe draußen im Auto gewartet. Seine Verteidigung verweist u.a. auf fehlende eindeutige physische Beweise und erhebliche Fragen zur Identifizierung durch Augenzeuginnen, die sich nicht sicher waren, den Richtigen erkannt zu haben. Tatsächlich ähneln Tony Ford und der mögliche wirkliche Täter Victor Belton sich deutlich. Ford kämpft weiterhin gegen seine Verurteilung und sein Todesurteil.

Karla’s Last Dawn (Gabi Uhl)

Karla Faye Tucker wurde in Texas wegen eines brutalen Doppelmordes aus dem Jahr 1983 zum Tode verurteilt. Während ihrer vierzehn Jahre im Todestrakt veränderte sich ihr Leben grundlegend: Sie wurde Christin, übernahm Verantwortung für ihre Taten und äußerte Reue. Ihr Gnadengesuch erhielt internationale Aufmerksamkeit und Unterstützung aus sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen und religiösen Kreisen, sogar aus den Reihen der Opferangehörigen. Am 3. Februar 1998 wurde Karla Faye Tucker im Alter von 38 Jahren durch die Giftspritze hingerichtet – die erste Exekution einer Frau in Texas seit 1863.

One Missing Piece (Kima Perg)

Jonathan Carr sitzt seit mehr als zwei Jahrzehnten im Todestrakt von Kansas. Gemeinsam mit seinem Bruder Reginald wurde er wegen einer Serie schwerer Gewaltverbrechen im Jahr 2000 verurteilt; beide erhielten die Todesstrafe. Seitdem beschäftigt ihr Fall immer wieder die höchsten Gerichte. Dabei ging es insbesondere um verfassungsrechtliche Fragen der Strafzumessung – etwa darum, unter welchen Bedingungen eine Jury erschwerende und mildernde Umstände gegeneinander abwägen darf und welche Verfahrensrechte dabei gelten. 2026 scheiterte ein weiterer Versuch, eine neue Strafzumessungsverhandlung zu erreichen; auch Carrs Antrag auf Umwandlung der Todesstrafe in lebenslange Haft wurde abgelehnt.

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Gabi Uhl – Playlist „Abolition NOW! It’s time…“
Gabi Uhl – Channel „GABRIELE beziehungsweise GABI UHL“

Kima Perg – Playlist „Death Penalty“
Kima Perg – Channel „Kima Perg“

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