Tennessee: Christa Pike überlebt Hinrichtung mit doppelter Dosis Pentobarbital
Am Mittwochvormittag sollte im US-Bundesstaat Tennessee die 50-jährige Christa Pike mit einer tödlichen Injektion, einer Überdosis Pentobarbital, hingerichtet werden. Etwa eine Stunde vor der geplanten Vollstreckung des Todesurteils verfügten die Richter des Sechsten Bundesberufungsgericht einen Hinrichtungsaufschub, gegen den die Staatsanwaltschaft allerdings unmittelbar beim Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten Berufung einlegte.
Erst acht Stunden nach dem ursprünglichen Hinrichtungstermin und nach weiteren Schriftsätzen beider Seiten entschied der US Supreme Court, setzte den Aufschub außer Kraft und machte so den Weg frei für die Hinrichtung von Christa Pike. Statt zeitnah Bericht zu erhalten von der Vollstreckung, folgten weitere Stunden des Wartens – die zahlreiche Gegner der Todesstrafe in der Online-Mahnwache der Organisation „Death Penalty Action“ verbrachten, die mit über 12 Stunden Rekordlänge hatte.
Schließlich schlug die Enttäuschung über den widerrufenen Hinrichtungsaufschub in Schock und Entsetzen um, als bekannt wurde, dass Christa Pike zwei Überdosen der Hinrichtungsdroge überlebt hatte. Die Pressekonferenz brachte nur bedingte Klarheit, weil die Medienvertreter selbst im Unklaren waren, was passiert war, nachdem man sie aus dem Zeugenraum geschickt hatte, während sie von Christa Pike noch deutliches Atmen hören konnten.
Kein offizielles Wort der Behörden, das Transparenz hätte schaffen können, ob Pike noch am Leben war oder nicht. Schlussfolgerungen ließen schließlich diverse Einsatzwagen zu und eine Ambulanz, die mit Blaulicht das Gefängnis verließ – offenbar, um Christa Pike in ein Krankenhaus zu bringen, wie sich später herausstellte. Über ihren Gesundheitszustand war 12 Stunden danach noch immer nichts bekannt. Gouverneur Bill Lee hat eine unabhängige Untersuchung angeordnet und die für Dezember in Tennessee geplante Hinrichtung ausgesetzt.
Bereits im Mai musste die Exekution von Tony Carruthers abgebrochen werden, weil man den zweiten erforderlichen Venenzugang nicht legen konnte. Da Pike den Zeugen zufolge über starke Schmerzen im Arm klagte während des Hinrichtungsversuchs, erscheint der Gedanke naheliegend, dass auch in ihrem Fall die Vene nicht korrekt getroffen wurde und der Wirkstoff stattdessen ins Gewebe lief. Ein ähnlicher Fall war der von Clayton Lockett in Oklahoma im April 2014, der erst nach 43 Minuten für tot erklärt wurde.
Christa Pike war zum Tod verurteilt, weil sie 1995 – im Alter von 18 Jahren – zusammen mit zwei Freundinnen eine 19-jährige Mitschülerin brutal gefoltert und getötet hatte. Das Ausmaß der Vernachlässigung und des sexuellen Missbrauchs, dem Pike selbst schon als kleines Kind unterlag, war erst kürzlich sogar von der Seite der Anklage anerkannt worden – die Verteidigung bemühte sich daher, das Verfahren wieder öffnen zu lassen, um ein anderes Strafmaß zu erreichen.
Quellen:
https://www.nbcnews.com/news/us-news/-was-mess-tennessee-fails-execute-inmate-2-lethal-injections-rcna600863
https://www.sueddeutsche.de/panorama/todesstrafe-in-den-usa-beispiellos-entsetzen-nach-gescheiterter-hinrichtung-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-260930-930-771156
https://www.sueddeutsche.de/panorama/usa-tennessee-christa-pike-todesstrafe-hinrichtung-giftspritze-ueberlebt-li.3556899
https://www.youtube.com/watch?v=BJRYO8-g0vY
https://www.youtube.com/watch?v=iWrnVEuHb2A
https://www.youtube.com/watch?v=U8tXJSh1t2g