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21.04.2019 | Ohio: Staat hat Probleme, eine schmerzfreie Hinrichtungsmethode zu finden

Jeffrey Wogenstahl hätte am Mittwoch sterben sollen. Wenn die Dinge nach Plan gelaufen wären, wäre er am Mittwoch Morgen auf eine Trage geschnallt worden und hätte eine tödliche Medikamentendosis injiziert bekommen. Seine Lieben, Anwälte und die Familie des 10-jährigen Opfers hatten dabei zusehen können. Doch all dies geschah nicht.

Wogenstahls Fall begann 1991, als die zehn Jahre alte Amber Garrett vermisst und dann drei Tage später tot in Indiana aufgefunden wurde. Eine Jury befand den damals 31-jährigen Wogenstahl für schuldig. Mittlerweile ist er 58.
Nach 27 Jahren der Berufungen und noch immer drei laufenden Klagen vor verschiedenen Gerichtshöfen, wurde Wogenstahl aufgrund offener Fragen zu seinem Fall ein zeitlich unbegrenzter Aufschub seiner Hinrichtung durch den Obersten Gerichtshof in Ohio gewährt.

Seither hat Gouverneur Mike DeWine alle Hinrichtungen aufgrund der bleibenden Frage nach einer schmerzlosen Hinrichtungsmethode aufgeschoben. Vor dem Hintergrund, dass Medikamentenhersteller ihre Lieferungen für Hinrichtungszwecke eingestellt haben und weil verpfuschte Hinrichtungen für negative Schlagzeilen sorgten, schreitet Ohios Todesstrafe gerade nicht voran.

DeWine ordnete kürzlich dem Ohio Department of Rehabilitation and Correction an, eine neue Methode zur Hinrichtung von Todestraktinsassen zu finden. Bis dies geschieht, sind alle Hinrichtungen auf Eis gelegt.
Ein Bundesrichter nannte Ohios Protokoll über die Todesstrafe mit drei Medikamenten eine "grausame und ungewöhnliche Bestrafung", die durch die US-Verfassung verboten ist. Dieses Urteil wirkte auch bei Gouverneur DeWine.
Die Grundlage des Problems ist das umstrittene Medikament Midazolam, ein Sedativum, das eigentlich dazu verwendet wird, Patienten vor Operationen ruhiger und entspannter sein zu lassen.
Es sei kein Schmerzmittel, auch nicht in hohen Dosen, so attestierten Experten gegenüber dem Bundesrichter.
Bislang wurden drei Insassen mit dieser bisher in Ohio üblichen Kombination aus drei Medikamenten hingerichtet, die nächste wird eine andere sein.

Landesweit haben US-Bundesstaaten Probleme, Medikamente für Hinrichtungen zu erlangen. Ohio nutzte ursprünglich nur ein einziges Medikament, Pentobarbital. Doch Hersteller dessen verweigerten die Belieferungen. Was dazu führte, dass der Bundesstaat zu einer bis dato unerprobten Mischung aus Midazolam und Hydromorphon wechselte, welche Dennis McGuire im Januar 2014 einen quälenden Todeskampf bescherte, der nahezu eine halbe Stunde dauerte.
Danach wurden alle Hinrichtungen erst einmal ausgesetzt. Wieder aufgenommen wurden sie dann im Juli 2017 als Ronald Philips durch die Giftspritze starb.

Zwanzig Staaten haben die Todesstrafe abgeschafft. Einige, wie Michigan, haben noch nie einen Gefangenen hingerichtet. Andere haben es in den letzten zehn Jahren verboten, besorgt über seine Verfassungsmäßigkeit, seine Rassenvorurteile, seine Kosten oder mögliche unrechtmäßige Verurteilungen.

Aber es ist unwahrscheinlich, dass Ohio dieser Liste in absehbarer Zeit beitreten wird. Die republikanisch gesteuerte Gesetzgebung des Staates hat wenig Lust auf eine Begrenzung, geschweige denn auf ein Verbot der Todesstrafe.

Quelle mit ausführlichem Bericht:
https://eu.cincinnati.com/story/news/politics/2019/04/16/ohio-death-penalty-jeffrey-wogenstahl/3421304002/
(17.04.2019, Jessie Balmert, Cameron Knight)




www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de