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30.05.2019 | Virginia: Ehemaliger Scharfrichter setzt sich für die Abschaffung der Todesstrafe in den USA ein

Jerry Givens war 17 Jahre lang der Hauptvollstrecker, der durch den US-Bundesstaat Virginia ausgesprochenen Todesurteile, brachte 37 Männer auf dem elektrischen Stuhl um und tötete 25 weitere mit tödlichen Injektionen. Er musste dies in vollkommener Verschwiegenheit tun, nicht einmal seine Frau durfte dies erfahren. Nun erzählt er seine Geschichte allen, um der Todesstrafe ein Ende zu setzen.

Zwei Jahrzehnte sind vergangen, seit er das letzte Mal eine Hinrichtung durchgeführt hat, aber das Verfahren ist ihm immer noch deutlich in Erinnerung geblieben.
Die Verurteilten kamen 15 Tage vor ihrem Hinrichtungstermin in seine Obhut und mussten sich sofort einer vollständigen körperlichen Untersuchung unterziehen, um sicherzustellen, dass sie gesund sind.
An ihrem letzten Tag waren die Familienverabschiedungen um 15:00 Uhr, eine letzte Mahlzeit wurde gegen 18:00 Uhr serviert und die Häftlinge machten ihre letzten Schritte in die Todeskammer kurz vor 21:00 Uhr. Givens betete mit den Verurteilten und konzentrierte sich auf ihre Bedürfnisse. Die meisten gestanden ihm schreckliche Verbrechen und waren ruhig, sagte er - sie hatten keine Ahnung, dass er derjenige war, der ihr Leben beenden würde.
Wenn die Insassen an den elektrischen Stuhl oder auf die Trage gefesselt wurden, hatten sie die Möglichkeit, ein paar letzte Worte zu sagen. Der Gefängnisdirektor hatte dann ein Signal gegeben, wie z.B. einen Blick auf seine Brille, und Givens trat in Aktion.

Jerry Givens fing als Vollzugsbeamter und meldete sich freiwillig, um bei Hinrichtungen zu helfen. Als dann der hauptamtliche Scharfrichter in den Ruhestand ging, übernahm Givens seine Position. Müsse er hingerichtet werden, so würde er den Elektrischen Stuhl bevorzugen, weil es schneller ginge, so Givens. Der Elektrische Stuhl verursache manchmal Nasenbluten bei den Delinquenten, wenn die Maske nicht richtig sitze. Bei der Giftspritze sei das größte Problem, eine geeignete Vene zu finden, besonders bei ehemaligen Drogenkonsumenten stelle dies ein größeres Problem dar.

Unter seiner Aufsicht sei bisher keine Hinrichtung schiefgelaufen, so Givens. Aber er habe immer wieder von solchen Vorfällen gehört und gelesen, beispielsweise auf der Webseite des „Death Penalty Information Center“.
Aber erst nachdem er seine Karriere beendet hatte, wuchsen Zweifel in ihm hinsichtlich der Todesstrafe.

Es war schließlich die Entlastung von Earl Washington - einem Todeskandidaten mit dem IQ eines 10-jährigen Kindes -, die Givens an der Todesstrafe zweifeln ließen.
Earl Washington war nur neun Tage von seiner Hinrichtung wegen der Vergewaltigung und Ermordung einer Frau aus Virginia entfernt, bevor Zweifel an seiner Beteiligung an dem Verbrechen geweckt wurden. DNA-Beweise haben ihn schließlich entlastet, und er wurde später freigelassen.

Givens wollte aufhören und plante, sich zurückzuziehen, nachdem er 100 Hinrichtungen durchgeführt hatte. Aber seine Laufbahn endete vor diesem Meilenstein, als er 1999 zum Rücktritt gezwungen wurde, nachdem er wegen Geldwäsche angeklagt wurde.
Givens - der immer noch seine Unschuld beteuert - hatte Autos im Namen eines Jugendfreundes, eines ehemaligen Drogendealers, gekauft, von dem er dachte, er hätte seine Einstellung geändert.
Eine Zeit hinter Gittern half, den Scharfrichter in einen Gegner der Todesstrafe zu verwandeln.
Er sagte, er habe erkannt, dass die Todesstrafe nicht mit Gottes Lehre übereinstimme, und beschloss, dass der Herr wolle, dass er dies auch überall verbreite.

Quelle mit ausführlichem Bericht, Statistiken und weiterführenden Links:

https://www.abc.net.au/news/2019-05-26/the-man-who-executed-62-us-inmates/11126080
(26.05.2019, James Glenday, Emily Olson)




www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de