Florida: Michael Bell hingerichtet – obwohl sechs Belastungszeugen ihre Aussage widerrufen haben

Am Dienstagabend wurde der 54-jährige Michael Bernard Bell im US-Bundesstaat Florida mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt, weil er im Dezember 1993 einen 23-jährigen Mann und eine 18-jährige Frau bei einem Amoklauf mit einem Maschinengewehr ermordet haben soll. Es habe sich um einen Racheakt gehandelt für die Tötung seines Bruders, Lamar Bell, den der Halbbruder seines männlichen Opfers auf dem Gewissen hatte.

Anwälte und Unterstützer von Michael Bell wiesen vergeblich darauf hin, dass es keine physischen Beweise gegeben habe, die ihren Mandanten mit der Tat in Verbindung brachten. Mindestens sechs Zeugen, die im ursprünglichen Prozess gegen Bell ausgesagt hatten, haben ihre Aussagen später widerrufen und erklärt, sie seien zu Falschaussagen genötigt worden.

Darüber hinaus bleibe festzustellen, dass Michael Bell im Alter von 15 Jahren nach einem Autodiebstahl in die berüchtigte Reformschuleinrichtung Dozier verbracht wurde, wo er massiver Misshandlung unterworfen war. Neben sexuellem Missbrauch und Prügelstrafen durch Angestellte der Anstalt wurden die Jugendlichen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gezwungen, während das Personal Wetten auf den Ausgang der Kämpfe abschloss. Über 30 Absolventen der 2011 geschlossenen Dozier School for Boys endeten im Todestrakt von Florida.

In seinen letzten Worten erklärte Bell lediglich: „Danke, dass ihr mich nicht den Rest meines Lebens im Gefängnis verbringen lasst.“ Die Familie des männlichen Opfers, namentlich ein Bruder und sein Sohn, sprachen sich gegen die Hinrichtung aus, wie die Organisation Floridians for Alternatives to the Death Penalty in einer Stellungnahme erwähnt:

„Wenn die Menschen, die von diesem Verbrechen am meisten betroffen sind, keine weiteren Morde in ihrem Namen wollen, spricht das Bände. Und es unterstreicht die unvermeidliche Wahrheit, dass die Todesstrafe in Florida lediglich ein Instrument der Macht und Politik ist.“

Es war bereits die achte Hinrichtung in Florida in diesem Jahr – die nächste ist für den 31. Juli terminiert. Experte Robert Dunham vom Death Penalty Policy Project, früher Direktor des Death Penalty Information Center, erklärt, die Hinrichtungen des laufenden Jahres seien fast ausnahmslos in US-Bundesstaaten durchgeführt worden, in denen früher Sklaverei üblich war, und im größten Teil der Fälle handele es sich um solche mit Opfern weißer Hautfarbe.

Quellen:
https://eu.usatoday.com/story/news/nation/2025/07/15/united-states-high-executions-florida-michael-bell/85214091007/
https://www.fadp.org/statement-on-the-execution-of-michael-mike-bell/
https://www.themarshallproject.org/2025/07/14/florida-death-row-teens-abuse