USA: Zwei Hinrichtungen an zwei aufeinander folgenden Tagen in Oklahoma und South Carolina
Am Donnerstag und Freitag wurden je ein Mann in den US-Bundesstaaten Oklahoma und South Carolina per Giftspritze hingerichtet. Damit steigt die Zahl der Exekutionen in den USA auf 23 in diesem Jahr.
John Hanson
Am Donnerstagvormittag wurde der 61-jährige John Hanson im US-Bundesstaat Oklahoma mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt für die Ermordung einer 77-jährigen Frau, die er 1999 zusammen mit einem Komplizen in ihrem Auto überfallen, entführt und schließlich erschossen hatte.
Der Vollstreckung des Todesurteils ging ein juristisches Tauziehen voraus. Ein Richter hatte drei Tage zuvor einen Hinrichtungsaufschub verfügt, der zwei Tage später wieder aufgehoben wurde.
Hanson sollte bereits im Dezember 2022 hingerichtet werden. Dazu hätte er von einem Bundesgefängnis in Louisiana, in dem er sich damals befand, nach Oklahoma überführt werden müssen. Das verhinderte seinerzeit die Regierung von Präsident Joe Biden. Unter der aktuellen Regierung von Donald Trump wurde die Exekution durch Überstellung John Hansons nach Oklahoma allerdings umgehend ermöglicht.
Sein Komplize, der mit lebenslanger Haft davongekommen war, prahlte laut Gerichtsakten später damit, die alte Dame selbst erschossen zu haben. All dies führt zu einem „beunruhigenden Justizirrtum“, so Hansons Anwälte. Ihr Mandant leide unter Autismus und sei durch den dominanten Komplizen manipuliert worden.
In seinen letzten Worten sprach Hanson von Vergebung und Frieden: „Just forgive me“ oder „Just forgiveness“ und „Peace to everyone“.
Während eine Nichte des Opfers, die unter den Zeugen war, das System kritisierte, das 26 Jahre gebraucht hat, um das Todesurteil an Hanson zu vollstrecken, erklärte eine Großnichte des Opfers öffentlich in einer Online-Mahnwache:
„Ich habe mein ganzes Leben mit der Trauer verbracht, meine Großtante verloren zu haben, aber ich wollte nie und nimmer und niemals, dass deswegen jemand getötet wird. John Hansons Tod macht meinen Schmerz schlimmer. Ich bin dankbar für alle, die gegen diese unmoralische und schreckliche Form der Bestrafung kämpfen. Ich bin überzeugt, dass durch die Todesstrafe Gewalt nur weiter verbreitet und reproduziert wird. Die Todesstrafe bewirkt keine Heilung für den Schmerz, den die Angehörigen der Opfer erleiden. Mein Vater sieht es genauso – ich weiß, es gibt unterschiedliche Auffassungen dazu, aber viele sehen es wie wir, dass dies eine schreckliche Aktion war, und wir wünschten, John Hanson wäre noch am Leben.“
Stephen Stanko
Am Freitagabend wurde im US-Bundesstaat South Carolina der 57-jährige Stephen Stanko mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Er war zweimal zum Tod verurteilt worden, einerseits für die Tötung eines 74-jährigen Freundes von ihm, dessen Bankkonto er anschließend leerte, und andererseits für die Ermordung seiner 43-jährigen Freundin. Danach vergewaltigte er deren Tochter im Teenageralter und schnitt ihr die Kehle auf, doch sie überlebte und sagte im Prozess gegen ihn aus. Die Taten ereigneten sich im Abstand nur weniger Stunden an einem Tag im April 2005.
In seinen letzten Worten bat Stanko um Vergebung und darum, nicht ausschließlich nach dem schlimmsten Tag in seinem Leben beurteilt zu werden. Stanko sprach rund dreieinhalb Minuten, bevor ihm eine erste Dosis Pentobarbital verabreicht wurde.
Er schien noch etwas zu sagen, wandte sich den Familien der Opfer zu und atmete dann mehrmals schnell, während seine Lippen zitterten – so der Bericht von Augenzeugen. Nach etwa einer Minute schien er nicht mehr zu atmen. Etwa 13 Minuten später bat ein Gefängnisangestellter um eine zweite Dosis Pentobarbital. Etwa 28 Minuten nach Beginn der Hinrichtung wurde er für tot erklärt.
Stanko hatte sich eigentlich für die Hinrichtung per Erschießungskommando entschieden. Nachdem die Autopsie des letzten in South Carolina erschossenen Straftäters allerdings ergab, dass keine der drei Kugeln das Herz getroffen hatte, gab Stanko der Giftspritze den Vorzug, obwohl auch diese umstritten ist.
Eine Petition für ihn, die von der Organisation South Carolinians for Alternatives to the Death Penalty erstellt wurde, berichtet darüber, dass Stanko eine Hirnschädigung gehabt habe, die laut Experten wahrscheinlich auf zahlreiche Hirnverletzungen zurückzuführen war, darunter eine komplizierte Geburt, ein Schlag auf den Hinterkopf als Teenager, als er einen Klassenkameraden vor einem Angriff schützte, und wiederholte Traumata durch schwere sportbedingte Kopfverletzungen.
Stanko sei weder für das Gefängnispersonal noch für andere Insassen eine Gefahr gewesen und habe seine Jahre im Todestrakt produktiv genutzt, um seine Verbrechen zu bereuen, Gottes Vergebung zu suchen, anderen Insassen zu helfen und über seine Erfahrungen zu schreiben, so die Petition weiter.
Quellen:
https://eu.usatoday.com/story/news/nation/2025/06/12/john-hanson-execution-mary-bowles-tulsa-oklahoma/84159822007/
https://www.youtube.com/watch?v=cuABpPwygAI&t=5425s
https://www.chronicleonline.com/news/national/south-carolina-executes-a-man-serving-death-sentences-in-2-separate-murders/article_b3680692-fba8-53f0-92f4-4b7e70b16494.html
https://actionnetwork.org/petitions/stop-the-execution-of-stephen-stanko-in-south-carolina