Alabama: Anthony Boyd mit Stickstoff hingerichtet – trotz massiver Zweifel an seiner Schuld
Am Donnerstagabend wurde im US-Bundesstaat Alabama der 54-jährige Anthony Todd Boyd per Stickstoff-Hypoxie hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt, weil er 1993 gemeinsam mit drei Komplizen einen Mann wegen 200 Dollar Schulden für Kokain getötet haben soll. Das Opfer wurde mit Klebeband an eine Parkbank gefesselt, mit Benzin übergossen und angezündet.
Boyd beteuerte über all die Jahrzehnte seine Unschuld – doch sein durch Zeugen bestätigtes Alibi, er sei auf einer Party gewesen, war ohne Erfolg. Die Geschworenen sprachen ihn mit 10 zu 2 Stimmen schuldig. Einer der vermeintlichen Komplizen war einen Handel mit der Staatsanwaltschaft eingegangen, sagte gegen Boyd aus und erhielt eine entsprechend milde Strafe – er wurde 2009 entlassen.
Neben dessen belastender Aussage gibt es keine forensischen Beweise, dass Boyd sich überhaupt am Tatort befand. Noch in seinen letzten Worten erklärte er: „Ich möchte noch einmal sagen, dass ich niemanden getötet habe und mich auch nicht an einem Mord beteiligt habe. Ich möchte, dass alle wissen, dass es in diesem Staat keine Gerechtigkeit gibt.“
Hinrichtungen mittels Stickstoff
Anthony Boyd wurde durch Stickstoff hingerichtet – über eine Maske wird reiner Stickstoff zugefügt, sodass der Delinquent aufgrund des Sauerstoffmangels erstickt. Während die Befürworter der Methode im Vorfeld behaupteten, es sei ein friedlicher Tod, bei dem man innerhalb von Sekunden das Bewusstsein verliere, zeigen Augenzeugenberichte seit der ersten Anwendung der Methode im Januar 2024 ein völlig anderes Bild.
Boyds geistlicher Beistand, Rev. Dr. Jeff Hood, der in derselben Funktion bereits bei der ersten Stickstoff-Exekution im Hinrichtungsraum anwesend war, hatte damals erklärt, er habe nie etwas Schrecklicheres gesehen – und er war bereits Zeuge mehrerer Exekutionen per Giftspritze gewesen.
Über Boyds Hinrichtung berichtete er im Anschluss, sie habe deutlich länger gedauert als erwartet – auch die Medienzeugen bestätigen, dass Anthony Boyd unter der Maske zwischen 15 und 20 Minuten atmete.
Rev. Hood beobachtete, dass die Maske offenbar nicht korrekt mit Boyds Gesicht abschloss, sodass er vermutlich noch minutenlang geringe Mengen Sauerstoff aus der Umgebungsluft einatmen konnte.
Zweifelhafte Wahl der Hinrichtungsmethode
Alabama zwang seine Todestraktinsassen in eine Wahl hinsichtlich der Hinrichtungsmethode, nachdem man 2018 die Stickstoff-Hypoxie legalisierte. Aufgrund mehrerer problematischer Exekutionen mit tödlicher Injektion wählten einige Insassen die neue Stickstoff-Methode.
Die Wahl erfolgte zu einem Zeitpunkt, als die Tötung durch Stickstoff noch nicht erprobt war – eine Änderung ihrer Entscheidung nach Bekanntwerden der ersten Berichte über Hinrichtungen mit Stickstoff wurde nicht zugelassen. So lehnte der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten mit 6 zu 3 Stimmen einen Antrag Anthony Boyds ab, mit dem er gebeten hatte, per Erschießungskommando statt mit Stickstoff hingerichtet zu werden.
Anthony Boyd war Vorsitzender des Project Hope to Abolish the Death Penalty, der einzigen von Insassen in Alabama gegründeten und von Gefangenen geleiteten Anti-Todesstrafe-Organisation in den USA.
Quellen:
https://eu.usatoday.com/story/news/nation/2025/10/23/alabama-execution-anthony-todd-boyd/86861744007/
https://eji.org/news/anthony-boyd-alabama-execution/
https://www.youtube.com/watch?v=7s1N16iLEuo&t=8768s
https://www.phadp.org/