Florida: Michael King hingerichtet – trotz massiver Hirnschädigung im Kindesalter
Am Dienstagabend wurde der 54-jährige Michael King im US-Bundesstaat Florida mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt, weil er im Januar 2008 eine 21-jährige Frau und Mutter zweier Söhne entführt, vergewaltigt und getötet hatte.
Der Fall erlangte weite Aufmerksamkeit, weil Probleme im System mit der Notrufnummer 911 zur Folge hatten, dass Hilfe zu spät eintraf. Das führte letztlich zu einer umfassenden Reform des Notruf-Systems.
In seinen letzten Worten erklärte King: „Seit ich im Gefängnis zu Jesus gefunden habe, versuche ich, als sein Jünger zu leben und die beiden wichtigsten Gebote zu befolgen: Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit meiner ganzen Kraft zu lieben und meinen Nächsten zu lieben – und zwar jeden: meine Familie, die Familie meines Opfers, alle auf der Zuschauertribüne und das Hinrichtungsteam.“ Die Opferangehörigen äußerten sich enttäuscht, weil King sich nicht bei ihnen entschuldigt habe.
Seine Anwälte wiesen vergeblich darauf hin, dass Florida nachweislich gegen das eigene Hinrichtungsprotokoll verstoßen habe, indem man abgelaufenen Medikamente verwendet habe oder die Dosis zu niedrig gewesen sei oder andere als die vorgesehenen Chemikalien zum Einsatz kamen.
Die Organisation „Floridians for Alternatives to the Death Penalty“ (FADP) betont in ihrer Stellungnahme, Michael King habe als sechsjähriges Kind bei einem Unfall beim Schlittenfahren schwere Kopfverletzungen erlitten, welche die Hirnareale betrafen, die für Impulskontrolle und abwägendes Verhalten verantwortlich sind. Diese Fakten seien im Prozess gegen King nicht gewürdigt worden.
Darüber hinaus erklärt FADP: „Michael hat sich während seiner Zeit in der Todeszelle gewandelt. Wie viele Menschen mit Hirnschäden feststellen, waren die Vorhersehbarkeit und die Struktur des Gefängnisalltags hilfreich für ihn. Diejenigen, die Michael kannten und liebten, beschrieben ihn als aufrichtig, fromm und fest in seinem katholischen Glauben. Dieser Glaube half ihm, sein Leben auf eine Weise zu ordnen, wie es ihm nach seiner Hirnverletzung in der Kindheit nie möglich gewesen war. Er betete gemeinsam mit anderen und spendete den anderen Männern Trost, die derselben Isolation und Verzweiflung ausgesetzt waren, die das Leben in der Todeszelle prägen.“
Quellen:
https://eu.usatoday.com/story/news/nation/2026/03/17/michael-king-florida-execution-denise-amber-lee/89199889007/
https://www.fadp.org/statement-on-the-execution-of-michael-king/